Der Echoraum der Geschichte

„Der Echoraum der Geschichte“, Wettbewerbsbeitrag, 3.Platz
Ideenwettbewerb Gedenkstätte Konzentrationslager Sachsenburg, mit Jonathan Banz, Kristof Schlüßler, Aleksandra Shulevska, Frankenberg/Sachsenburg 2021.

Der Echoraum der Geschichte – Visualisierung

Das Konzentrationslager Sachsenburg war während seines Bestehens von
1933-1937 das bedeutendste und am längsten betriebene frühe KZ in Sachsen. Hier
liefen viele Fäden zusammen. Im KZ Sachsenburg hat sich ein Netzwerk der SS
gebildet, aus dem viele spätere Lagerkommandanten und leitende Dienstgrade
hervorgingen. Eine Ausweitung und Stärkung der Gedenkstätte KZ Sachsenburg ist
hinsichtlich seiner historischen Bedeutung von nationaler und internationaler
Wichtigkeit. Ein international offener Ideenwettbewerb stellte die Frage nach einem künstlerisch und architektonisch angemessenen Umgang mit der ehemaligen Kommandantenvilla.


Die Kommandantenvilla war der Dreh- und Angelpunkt im Ablauf des
Lagergeschehens. Das Gebäude steht wie die meisten anderen Gebäude der
Fabrik noch, auch wenn Teile der Innenkonstruktion baulich angegriffen sind. Das
Fundament und die Außenmauern sind intakt, es zeigen sich keine Absenkungen
des Gebäudes. Einzig der Dachstuhl und das Innenleben des Gebäudes sind, wie
die Gutachten zeigen, durch die Vernachlässigung der letzten Jahre stark in
Mitleidenschaft gezogen worden. Der hier vorgestellte Entwurf formuliert deshalb in
Erweiterung der Aufgabenstellung die Notwendigkeit, die physische und bildliche
Präsenz des Gebäudes für die Zukunft zu sichern. Zudem wird ein
künstlerisch-architektonischer Ausdruck entwickelt, der die Gewalt thematisiert, die
von der Villa in der Zeit von 1933 bis 1937 ausging. (…)
Es ist das zentrale Anliegen des Entwurfs, die Villa als Schlüsselgebäude der Anlage
zu sichern und dabei künstlerisch zu transformieren. Es geht nicht um eine historische
Rekonstruktion sondern um die Entwicklung eines angemessenen Ausdrucks. Den
Wänden kommt eine besondere Funktion zu. Sie werden in ihrer Rohbausubstanz
konserviert und von innen her mit einer Betonform stabilisiert. Das Dach wird im
gleichen Formbildungsprozess wie die Betonwände erstellt und vervollständigt das
Gebäudeensemble. So wird aus einer ländlichen Villa der 1920er Jahren ein
Bauvolumen, dessen Präsenz bewahrt und zugleich dessen Bedrohung unmittelbar
spürbar wird.
Der neu entstehende Innenraum, der auf der großen Visualisierung zu sehen ist,
reicht über die gesamte Höhe des Gebäudes. Man kann diesen Echoraum der
Geschichte durch den ehemaligen Dienstboteneingang ebenerdig und barrierefrei
betreten. Dieser Raum stützt die Außenmauern der Villa und entwickelt zugleich eine
ästhetische Qualität. Die ursprünglichen Öffnungen der Wände, die Türen und die
Fenster drücken sich als architektonisches Echo nach innen ab. Der Innenraum zeigt
gerade nicht die historischen Räume und vermittelt kein Bild eines wohnlichen Alltags.
Sondern der neue Innenraum ist der architektonische Ausdruck für die kaum
vorstellbaren Gräuel, die von der Villa ausgingen. Der Innenraum wird spärlich, aber
gezielt durch Öffnungen im Dach von oben belichtet. Das Grauen des KZ´s
Sachsenburg wird im Inneren der Villa mit den Mitteln von Kunst und Architektur zu
einer räumlichen Erfahrung. Der Raum versteht sich als ästhetische Umsetzung der
Aufgabenstellung, mit künstlerisch-architektonischen Mitteln einen Ausdruck für die
Geschichte zu finden.

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